Pioniere der Gegenwart

- Strahlefrauen mit einem Notendurchschnitt von 1,0: Anne Reiner, Anna-Katharina Stöcker und Lisa Leikeim (von links)
Verabschiedung des ersten G8-Abiturjahrgangs
Von wegen „tote Hose“! Nicht nur, dass die Burgkunstadter Obermainhalle gerockt wurde wie selten zuvor bei einer offiziellen Abiturfeier des Gymnasiums. Nein – Abi-Band und Abi-Chor brachten mit Liedern der Punkrocker „Die Toten Hosen“ und „Böhse Onkelz“ auch durchaus vieldeutige Verse zum Vortrag: „Es ist gut, wie’s war, und es ist gut, wie’s ist.“
Das erste G8-Abitur – selbstredend war es das zentrale Thema in den Grußworten der zahlreich anwesenden Ehrengäste, darunter MdL Christa Steiger und Christian Meißner. Während Stellvertretender Landrat Helmut Fischer den Absolventen empfahl, das „Überwinden der ersten richtig großen Hürde des Lebenswegs angemessen und kräftig zu feiern“, bezeichnete Gerhard Sievert, Vorsitzender des Fördervereins, das Abitur als „Qualitätssiegel der besonderen Art.“
Die bayernweit kritischen Töne zur verkürzten Schulform G8, verbunden mit manch kurzfristiger „Rücknahme der Änderung der Änderung“ (Schulleiter Werner Fischer), waren allenthalben unüberhörbar. So fiel nicht nur einmal das Wort von den „Versuchskaninchen“ als Beschreibung für den ersten G8-Jahrgang, so auch bei Oberstufenkoordinatorin Ingelore Dück, die in ihrer märchenhaften Rückschau unter dem Titel „In 1500 Tagen durchs G8“ letztendlich aber lobte, „wie sorg- und klaglos“ ihre 66 zum Teil noch nicht einmal Volljährigen mit manch systemimmanenten Merkwürdigkeiten umgegangen seien.
Die Abiturienten selbst, vertreten durch Anna-Katharina Stöcker und Johannes Oppel, setzten in ihrer eigenen selbstironischen Sicht der Vergangenheit noch einen „drauf“: „Manche Lehrer hatten vor den Abi-Prüfungen mehr schlaflose Nächte als wir selbst“, hieß es da, und man verstand, was Ingelore Dück zuvor mit „sorglos“ gemeint hatte. Auch der eine oder andere Disput mit der Schulleitung wurde weggewischt und mit einigen Abschiedspräsenten „weggeschmunzelt“: einem Teppichreiniger für Schulleiter Werner Fischer oder einem Präsentkorb für Hausmeister Fritz Fischer, den die Abiturienten in Anspielung auf manch disziplinären Fauxpas ihrerseits zumindest trösteten: „Wenn es einer geschafft hätte(!), uns in den Griff zu bekommen, dann du!“
Herzlich fielen die Glückwünsche der Elternbeiratsvorsitzenden Elisabeth Zipfel aus. Sie verglich das Abiturzeugnis mit dem Seepferdchen-Abzeichen, bei dem das wahre Schwimmen-Können auch erst nach der offiziellen Prüfung unter Beweis zu stellen sei. Mit den Worten „Springt hinein ins Meer der Möglichkeiten und behaltet den Kopf immer oben“ wünschte sie den Entlassschülern unter anderem Mut und Risikobereitschaft für die Zukunft.

- Harter Rock im feinen Zwirn – die Abi-Band mit Tobias Gold (Gitarre, rechts im Vordergrund) rockte die Obermainhalle.
Umrahmt von den musikalischen Solisten Petra Kuhn (Querflöte), Ulrich Schneider (Klavier) und Meike Weigand (Gesang) setzte schließlich Schulleiter Werner Fischer den Weg der G8-Abiturienten in Beziehung zu dem der Goldsucher vor 160 Jahren im Mittelwesten der USA. Damals wie heute sei Forschergeist nötig gewesen, um als Pionier zugleich Bahnbrecher und Wegbereiter zu sein, um Hindernisse zu überwinden und auf unbekanntes Terrain vorzustoßen. Er empfahl den Abiturienten für ihren Weg ins neue Lebensgebiet die richtige Mischung aus bodenständigem Realismus, unkonventionellem Denken und Verhalten sowie die Bewahrung eines Raumes für Träume und Visionen. Als äußeres Zeichen seiner Glückwünsche überreichte er jedem Schüler einen Kompass samt Erinnerungskärtchen.
Und sogar in diesem Moment hatten die Punkrocker der Bösen Onkelz wieder die passenden Zeilen parat: „Doch ich muss mein Leben leben, meinen Weg allein gehen. Mach’s gut du schöne Zeit – auf Wiedersehn!“
Text und Fotos: -cv- / 1.7.2011
Endlich raus aus dem Q-Stall

- „Die Stecknadel im Heuhaufen gesucht“ – Schüler Niklas Stadelmann (Vordergrund) und Schulleiter Werner Fischer (dahinter) hatten so ihre Sisyphos-Arbeit zu erledigen. Übrigens: Letzterer fand die Mini-Nadel tatsächlich! Fotos: -cv/pk-
Abischerz des ersten G8-Jahrgangs - Von Traktorrennen bis Eierlauf
Warum eigentlich ein Abischerz? Sabrina Pitterich und Lisa Niechziol, die zusammen mit der Q12 der Schule diese traditionelle Gaudi-Veranstaltung organisierten, sind sich einig: „Es ist noch immer etwas Besonderes, sein Abi bestanden zu haben. Und das wollen wir einfach feiern!“
Dazu kamen die Schüler dieses Jahrgangs so früh in ihre bald ehemalige Bildungsanstalt wie wohl noch nie zuvor in ihrer Schullaufbahn, nämlich um 2 Uhr. „Aber das macht uns nichts aus“, meint Sabrina, „zu Schulzeiten wurde es auch schon mal ein wenig später – nicht nur beim Lernen.“ In Windeseile galt es, Plakate zu malen, Flyer zu gestalten und die Kollegstufen-Sofas auf den Außensportplatz zu räumen, sodass pünktlich zum Unterrichtsbeginn um 7.40 Uhr das pädagogische Personal mit Blasmusik-Ständchen vom Lehrerzimmer abgeholt werden konnte.
„Endlich raus aus dem Kuhstall“ lautete das Abi-Motto – eine geschickte klangliche Anspielung auf die vergangenen Q11- und Q12-Jahre, die als sogenannte Qualifikationsphase auf das Abitur vorbereitet hatten. Entsprechend „ländlich“ gestalteten sich auch die „Wettkämpfe“ zwischen den im Streichelzoo kasernierten Lehrern und den Schülern. Egal ob beim Traktorrennen oder beim Maßkrugstemmen, beim Eierlauf oder beim Melken – die Pädagogen gaben alles, um ihren hinter einem „Nicht füttern – bissig“- Schild gefangen gehaltenen Schulleiter Werner Fischer wieder zu befreien.
Der fällte denn auch ein positives Urteil über „seinen“ ersten G8-Jahrgang und dessen Abischerz: „Es waren amüsante Spiele – verpackt in ein wirklich nette Geschichte.“ Sabrina, Lisa & Co. dürfte es gefreut haben.
Text: -cv- / 28.6.2011

- Die Lehrer waren für fast jeden Spaß zu haben: Jenny Schreiner (links) und Heinz Langer (rechts) durften Äpfel mit dem Mund angeln.

- Kühe melken – den Pädagogen Eva Vollmuth (rechts) und Melanie Oehl (links verdeckt) wurde es nicht leicht gemacht.
