• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6

Reicht es, kein Rassist zu sein?

OT-Redakteur Till Mayer diskutiert als „Schule ohne Rassismus“-Pate mit Burgkunstadter Gymnasiasten. Er berichtet den Jugendlichen von der Benachteiligung von Roma in Osteuropa.

Zusammen mit dem neuen „Schule ohne Rassismus“-Paten des Gymnasiums Burgkunstadt, Till Mayer, diskutierten die Klasse 10c und die Schülerinnen des Wahlkurses „Schule ohne Rassismus“ darüber, was Rassismus ist, wann er beginnt und wie man ihm entgegentreten kann.

„Wo es Rassismus gibt, gibt es keinen Frieden. Das habe ich auf meinen Reisen gelernt.“ Mit diesen Worten begann Till Mayer, Redakteur des OT, seinen einleitenden Vortrag. Als Journalist und Fotograf berichtet er seit vielen Jahren zudem regelmäßig aus Kriegs- und Krisengebieten. In Burgkunstadt stellte er die größte ethnische Minderheit Europas, die Roma, in den Mittelpunkt. Roma und Sinti sind seit Jahrhunderten Rassismus ausgesetzt.

Die Jugendlichen hatten bislang wenig über die Roma und Sinti gehört und lauschten gespannt, aber auch betreten den Ausführungen Till Mayers, der zunächst Fotos von Naziaufmärschen aus Varnsdorf, einer tschechischen Kleinstadt nahe der deutschen Grenze, zeigte. Rechte stellten dort deutlich ihren Hass gegenüber Roma-Familien zur Schau, die in einem schäbigen Gebäude am Ortsrand, dem ehemaligen Hotel „Sport“, untergebracht waren.

Aufmarsch  

Roma Der Hintergrund für die Hass-Demos war eine tätliche Auseinandersetzung mit einer Machete in einer Kneipe zwischen Roma und einem Gast. Die Kneipe befand sich nicht einmal in Varnsdorf. Und keiner der Bewohner des Hotels „Sport“ hatte irgendetwas mit dem Vorfall zu tun. Doch geschickt nutzen Rassisten die Tat, um Hass in Varnsdorf anzufachen. Teilweise bis zu 1000 Demonstranten drohten den Roma-Familien im Hotel „Sport“ regelmäßig mit Hassparolen. Polizei musste die Roma vor Gewalt schützen. Neben den üblichen Anhängern rechtsradikaler Parteien waren auch Varnsdorfer unter den Demonstranten. Während Rechtsradikale schrien, „Die Roma ins Gas“, sahen sie sich als vermeintliche Opfer eines „Schwarzen Rassismus“.

Den Schülerinnen und Schülern war die Geschichte der Benachteiligung, die auch in Deutschland bis ins Heute reicht, kaum bekannt. Till Mayer erklärte, dass Roma und Sinti in der Vergangenheit nie eine echte Chance bekommen hätten. Bereits im Mittelalter war es ihnen nicht möglich, zum Beispiel in Zünfte zu kommen. Lediglich als Kesselflicker, Schausteller, Tagelöhner und Scherenschleifer waren sie geduldet.

Die Benachteiligung der Roma und Sinti ist bis heute geblieben. Selbst um das Gedenken müssen sie kämpfen. Davon berichtet auch das Geschehen um die Gedenkstätte für Opfer des Konzentrationslagers im tschechischen Lety deutlich. Auf dem Areal beziehungsweise in der Nachbarschaft des ehemaligen KZs, das als reines „Zigeunerlager“ gegolten hatte, war nach dem Krieg eine Schweinemastanlage errichtet worden. Der Gestank machte ein würdevolles Gedenken weitgehend unmöglich. Als Till Mayer diesen Ort besuchte, gab es zumindest ein einfaches Mahnmal auf dem ehemaligen Lagergelände. Nach jahrelangen Protesten durch Roma und Bürgerrechtler kaufte der tschechische Staat den nahen Mastbetrieb und legte ihn still. Bis zum Jahr 2023 soll nach langem Kampf nun eine würdige Gedenkstätte entstehen.

Der Journalist berichtete noch über weitere, die Schülerinnen und Schüler teilweise verstörende Begebenheiten, beispielsweise über die Zwangssterilisation von Roma-Frauen in der kommunistischen Tschechoslowakei. Aber auch nach der Wende gab es weitere Fälle. In Orbàns Ungarn kam es zu Segregation an Schulen. „Roma-Kinder wurden in vermeintliche Förderklassen geschickt. Bürgerrechtler und betroffene Roma-Familien bezweifeln jedoch das Ziel einer Förderung. Stattdessen wurden Roma-Kinder abgesondert und abgeschoben.“

Doch was ist Rassismus? Hat ihn nicht jeder von uns irgendwo im Kopf? Dieser Frage ging Till Mayer im Folgenden mit den Jugendlichen auf den Grund, indem er Gründe sammeln ließ, weshalb Menschen überhaupt diskriminiert werden. Es wurden die Hautfarbe, die Herkunft, die Religion oder die sexuelle Orientierung genannt.

Mit provokanten Äußerungen wie „Man wird doch mal einen Witz machen dürfen?“ versuchte er die Schülerinnen und Schüler aus der Reserve zu locken. Ob sie etwas dagegen sagen würden, wenn jemand in ihrem Umfeld einen solchen Witz machen würde, beantworteten sie zunächst ein wenig zurückhaltend. Es käme auf den Zusammenhang an, auf die Art des Witzes, es sollten keine Grenzen überschritten werden. Doch wo ist hier die Grenze? Im Lauf des sich daraus entwickelnden Gesprächs wurden die Jugendlichen immer sensibler für die Thematik und kamen zu dem Schluss, dass jede Art von Ausgrenzung bereits Rassismus ist. Doch wie kann man diesem begegnen? Reicht es aus, kein Rassist zu sein? Till Mayer meint nein. Die Schüler sahen einen kurzen Film des jamaikanischen Schriftstellers Marlon James, in dem deutlich wurde, dass es wichtig ist, nicht einfach gegen Diskriminierung zu sein, sondern aktiv einzuschreiten. „Anti-Rassismus, das heißt aktiv zu handeln. Etwas zu sagen, wenn zum Beispiel ein Kumpel einen Witz macht, der einfach nicht mehr okay ist. Man muss Rassisten ihre Grenzen zeigen. Deswegen gehört zu einer Schule ohne Rassismus ja auch die Courage mit dazu“, so der OT-Redakteur.

Zuletzt kam die Rede auf ein brisantes Thema: den Corona-Impfstatus. „Ist es rassistisch, Menschen, die nicht geimpft sind, auszugrenzen?“, das fragten mehrere Jugendliche. Schnell war man sich einig, dass es stets wichtig ist, Andersdenkende korrekt und würdevoll zu behandeln, aber dass in diesem Fall nicht von Rassismus gesprochen werden könne. Impfgegner gefährden die Gesundheit anderer Menschen durch ihr Verhalten. „Hätten wir eine höhere Impfquote, wären die Covid-Intensivstationen nicht so voll. Dann müssten keine anderen Operationen deswegen verschoben werden, weniger Menschen sterben. Fakt ist, weniger als 30 Prozent der Bevölkerung, also Ungeimpfte, stellen das ganz deutliche Gros der Patienten auf den Covid-Intensivstationen.“ Ein Schüler erklärte, dass ein indirekter Impfzwang die Menschen in ihren Grundrechten einschränken würde. Till Mayer konterte: „Einschränkungen sind für ein Zusammenleben notwendig. Innerorts gibt es zum Beispiel Tempolimits. Sie schränken den Autofahrer ein. Aber sie schützen das Leben von Kindern und Passanten. Die eigene Freiheit endet eben da, wo andere darunter leiden oder gefährdet sind.“

Als Konventionsbeauftragter des BRK-Kreisverbandes Lichtenfels hatte Till Mayer kostenlose Exemplare des Bildbandes „Dunkle Reisen“ mitgebracht. So manche Reportage darin erzählt etwas über Rassismus. Was passiert, wenn er überhandnimmt: Gewalt, Krieg und Zerstörung sind die Folgen.

Gabriele Görlich

Die Neue Werkbühne München spielt Lessings „Nathan der Weise“ am Gymnasium Burgkunstadt

„Es eifre jeder seiner unbestoch‘nen von Vorurteilen freien Liebe nach.“

Nur vier Schauspieler und ein grandioses Bühnenbild waren nötig, um 150 Schüler der 10. und 11. Jahrgangsstufe am vergangenen Montag, den 09.03., ins Zeitalter der Kreuzzüge nach Jerusalem zu versetzen. Genau diesen Schauplatz hat Lessing nämlich für sein berühmtes aufklärerisches Lehrstück „Nathan der Weise“ gewählt.
Im Fokus dieses Werkes steht der reiche und weise Jude Nathan, der sich im Verlauf des Dramas mehreren Kon-flikten ausgesetzt sieht: Er wird u.a. mit Judenhass und Antisemitismus konfrontiert, weswegen sein Haus – und beinahe auch seine Tochter Recha – einem Brandanschlag zum Opfer fällt. Glücklicherweise wird sie von einem christlichen Tempelherrn gerettet, der dann aber nichts mit Nathan zu tun haben will – sieht er in ihm doch eben nur einen Juden. Darüber hinaus versucht der muslimische (und bankrotte) Sultan Saladin, der die Stadt im 12. Jahrhundert regiert, Nathan mit einer List hinters Licht führen, um an seine Reichtümer zu gelangen. Er stellt ihm daher die Frage nach der wahren Religion, die der weise Jude mithilfe der berühmten Ringparabel beantwortet, die letztlich auch der Höhepunkt des Dramas ist: Drei Ringe repräsentieren die drei großen Weltreligionen Chris-tentum, Judentum und Islam. Die Suche nach dem echten, richtigen Ring, also der „wahren Religion“ führt bis vor einen Richter, der empfiehlt: „Es eifre jeder seiner unbestoch‘nen von Vorurteilen freien Liebe nach.“
Die Neue Werkbühne München hat Lessings Drama zwar deutlich gekürzt, dafür aber die Grundideen umso aussa-gekräftiger dargestellt: Toleranz, Nächstenliebe, Humanität! Besonders beeindruckend aktualisiert wurde dies durch die häufig eingebauten Informationen zu geschichtlichen Hintergründen bzw. gegenwärtigen Problemen, wodurch der Kerngedanke von Lessings über 240 Jahre altem Lehrstück nochmals klar wird: Ganz gleich, welche Herkunft, Religion oder Einstellung andere Menschen haben, wir sollten ihnen stets vorurteilsfrei und offenherzig begegnen! 

Text und Bilder: 

Neue Werkbühne München

Mit nur einer Ecstasy-Pille hat alles begonnen

Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9d, 9e und 10a hatten noch lange an dem Vortragsvormittag am Gymnasium Burgkunstadt zu verdauen. Im Rahmen der Vorbereitung der diesjährigen Berlin-Fahrt gelang es den Kolleginnen OStRin Christina Schott, OStRin Michaela Kraus und OStRin Melanie Oehl, einen Vortragenden zu gewinnen, der nicht nur eine besonders nachdenklich stimmende Seite Berlins zu präsentieren verstand.

Mit dem Film „Berliner Härte – Vom Junkie zum Mesner“ kamen Gefängnisseelsorger Hans Lyer und der Protagonist des Films, Marco Lau, ans Gymnasium Burgkunstadt. Der Film zeichnet die Lebensgeschichte von Marco von seiner Jugend bis hin zum Ausstieg aus dem Drogenmilieu nach und gibt tiefe Einblicke in sein Leben. Suchtprävention wurde hier eindrucksvoll anschaulich und für die Jugendlichen nachdenklich präsentiert.

Vor knapp 20 Jahren ging es für Marco um Leben und Tod. Hinter dem damals 27-jährigen lagen Jahre der Enttäuschung, Verwahrlosung und des schweren Drogenmissbrauchs. Von seiner Mutter als Kind in einem Kinderheim in der ehemaligen DDR abgegeben, trieb sich Marco nach der Wende regelmäßig am Bahnhof Zoo herum. Auf sich allein gestellt, fand er eine Art schnell Geld zu verdienen, indem er sich prostituierte. „In dieser Welt aus Kriminalität, Gewalt und Prostitution konsumiert man dann auch sehr schnell Drogen“, erklärte er später in der Fragerunde den interessierten Schülerinnen und Schülern, „und damit ist der Kreislauf angetreten.“

In einer solchen Situation, in der man auch mal im Park schläft und der einzige Freund mit einer Mahlzeit aushilft, suche man die Flucht im Drogenrausch. „Koks macht gefühllos und sehr aggressiv, du verlierst deine eigene Persönlichkeit“, erklärte er. „Man versucht abzuschalten, aber das hat nie geklappt.“ Mit einer Ecstasy-Pille hat es begonnen, am Ende standen Kokain, Heroin und jede Menge Alkohol. Immer wieder stand er auf Hochhausdächern. „Da gibt es dann zwei Möglichkeiten: entweder du genießt die Aussicht oder du springst“ – solche Sätze sagt Marco ganz ohne Pathos, aber dafür umso eindringlicher. Gesprungen ist er nicht, sondern nach einem Schlüsselerlebnis, einer Begegnung mit lebensfrohen jungen Menschen, kam es zum Wendepunkt in seinem jungen Leben. Er musste selbst die Spirale der Selbstzerstörung durchbrechen und so ging er in den „kalten Entzug“ und befreite sich von den Drogen. Ganz auf sich gestellt habe er die schlimmsten drei Wochen seines Lebens durchlitten. „Ich hätte da auch draufgehen können, das weiß ich“, erzählt er den Zuhörern, doch war er sich sicher, dass er nur so einem Rückfall entgehen kann.

Sein Weg führt ihn schließlich weg aus Berlin nach Bamberg, wo er inzwischen ein neues Zuhause gefunden hat. Unterstützt durch die Bekanntschaft mit dem katholischen Seelsorger Hans Lyer findet er allmählich ins Leben zurück und lässt sich sogar taufen. „Ich habe den Schlüssel für eine Kapelle, sperre da auf und zu und der Pfarrer ist sich sicher, dass ich die Kerzen anzünde und alles vorbereite – das ist der Hammer“. Es hat lange gedauert bis Marco wieder spürte, dass ein Mensch ihm vertraut.

Der unglaublich eindrucksvolle Vormittag hat sicher so manchem die Augen geöffnet für die sozialen Abgründe in unserer Gesellschaft. Marco Lau möchte den Schülerinnen und Schülern sowohl eine Warnung mitgeben, als auch zugleich Mut machen. „Passt auf, was Drogen alles anrichten können, aber vergesst nicht, dass es im Leben immer eine Chance gibt, um die Kurve zu kriegen – man muss sie nur ergreifen!“

Text und Bilder: Sct

 

Ein Leseentscheid auf des Messers Schneide

Bild mit Siegern und Jury

Ein aufregendes und bis zur letzten Sekunde spannendes Kreisfinale im Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels erlebten die Teilnehmer, Eltern, Lehrkräfte und Jurymitglieder am Gymnasium Burgkunstadt.

Der einzige Junge unter den vier qualifizierten Schulsiegern, Bastian Dütsch vom Meranier-Gymnasium Lichtenfels, hatte am Ende knapp die Nase vorn. Aufgrund seiner mitunter grandiosen Artikulation und seiner sicheren Lesetechnik ging das auch in Ordnung.

Doch auch die drei Mädels in dem Quartett, Aurora Schmutzler (Albert-Blankertz-Schule Redwitz), Leni Gummerum (Adam-Riese-Mittelschule Bad Staffelstein) und Hanna Eisele (Gymnasium Burgkunstadt), hinterließen einen vorzüglichen Eindruck – und das nicht nur beim anfänglichen selbstgewählten Lesestück, sondern auch beim unbekannten Text aus dem Jugendbuch „So fern wie nah“ von John Boyne.

Die fünfköpfige Jury bestand aus Bürgermeisterin Christine Frieß (Burgkunstadt), Schulleiterin Susi Krauß (Burgkunstadt), Lehrerin Simone Deuerling (Kronach), Andrea Göldner (Leiterin der Stadtbücherei Weismain) und der Neuntklässlerin und ehemaligen Vorlese-Kreissiegerin Celina Wunner.

Mehr als eine Viertelstunde musste dieses Quintett schließlich diskutieren, ehe der Name des Siegers Bastian Dütsch verkündet werden konnte, der seine Schule nun beim Bezirksfinale vertreten darf.

Text und Bild: cv

 

Zum Foto:

Die Teilnehmer des Kreisfinales im Vorlesewettbewerb (vorne von links) Leni Gummerum (Adam-Riese-Mittelschule Bad Staffelstein), Aurora Schmutzler (Albert-Blankertz-Schule Redwitz) und Hanna Eisele (Gymnasium Burgkunstadt) sowie Sieger Bastian Dütsch vom Meranier-Gymnasium Lichtenfels. Links dahinter die Schulleiterin des Gymnasiums Burgkunstadt Lydia Münch und die fünfköpfige Jury, die kein leichtes Urteil zu fällen hatte.